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Raimund Brichta


Der leidenschaftliche Börsenfan, Jahrgang 1959, hat sich nicht nur als Moderator und Börsenreporter, sondern auch als Gastredner und Autor einen Namen gemacht. In seinen Vorträgen bietet er gleichsam interessante wie unterhaltsame Einblicke in das Börsengeschehen, und er beleuchtet die Aussichten für die Finanzmärkte. Seine Ausführungen zum Thema Geld sorgen bei den Zuhörern stets für gespannte Aufmerksamkeit.
 
Große Beachtung finden auch die Internet-Kolumnen von Raimund Brichta. Darüber hinaus ist er Autor eines nützlichen Leitfadens für Privatanleger mit dem Titel "Die unbeschreibliche Leichtigkeit des Geldanlegens", der im Finanzbuch-Verlag erschienen ist. Sein gemeinsam mit Alexander Kirchner verfasstes Buch "Medientraining für Manager" hat der Gabler-Verlag herausgegeben. Darüber hinaus ist Brichta Autor und Co-Produzent einer erfolgreichen Video-Edition für Privatanleger, die er auch moderiert.
 
 

Ziel 8000 plus
Raimund Brichta

Es wird Zeit für ein neues Ziel für den Dax, nachdem unser Börsentier seine Agenda 2010 inzwischen brav abgearbeitet hat. Wie am Jahresanfang in meinem Plan A vorgegeben, verfing es sich monatelang in der Problemzone oberhalb von 6.000 Punkten, aus der es erst Mitte Oktober eine Befreiung nach oben gab. Mancher Leser wurde schon ungeduldig und warf mir vor, dass ich in der Zwischenzeit so lange zur Börsenentwicklung geschwiegen habe. Aber warum sollte ich mich zu Wort melden? Solange alles nach dem Langweiler-Plan lief, gab es nichts Neues zu sagen. Erst jetzt, wo der Ausbruch offensichtlich gelungen ist - übrigens nicht ganz überraschend im Herbst -, wird es wieder interessant. Im Januar schrieb ich dazu: "Und selbst wenn wir lange gähnen müssten, könnte 2010 noch ein kleines Plus herauskommen. Die augenblicklichen Gewinnschätzungen für die Dax-Firmen in diesem Jahr rechtfertigen sogar einen Dax-Stand von 6.900 bis 7.000 Punkten, sofern sie eintreffen. Das wäre noch einmal ein Plus von gut 15 Prozent und alles andere als langweilig." Na bitte, genau danach sieht es nach dem Ausbruch nun aus. Die Gewinnschätzungen mussten nämlich nicht nach unten korrigiert werden, so dass der Dax noch lange nicht zu teuer ist. Die 7.000 Punkte sind in diesem Jahr also locker erreichbar.Aber das ist längst noch nicht alles. "Ein Jahr zum Gähnen wäre eine gute Voraussetzung dafür, dass 2011 umso munterer verläuft", schrieb ich im Januar. Auch daran gibt es nichts zu ändern, sondern allenfalls zu konkretisieren. Nach zehn gähnend langen Monaten dürfen wir uns nun nämlich darauf freuen, dass der Dax im nächsten Jahr seine alten Höchststände bei etwas über 8.000 Punkten erreicht, vermutlich sogar leicht übertrifft. Konkret leite ich aus den gegenwärtigen Gewinnschätzungen für die Dax-Unternehmen ein Dax-Ziel von rund 8.300 Punkten ab, erreichbar irgendwann im Lauf des Jahres 2011.

Solche Ziele machen gerade dann besonders viel Sinn, wenn sie sich nicht nur aus der Gewinnentwicklung der Unternehmen, sondern auch aus dem Marktverhalten ableiten lassen - also aus den Faktoren, die man mit Markttechnik umschreibt. Und genau dies ist der Fall: Bereits zweimal in seiner Geschichte, nämlich in den Jahren 2000 und 2007, hat der Dax die 8.000 Punkte erreicht und leicht übertroffen. Nun hat er mit dem Ausbruch aus seiner jüngsten Problemzone das Signal dafür gegeben, dass er einen dritten Anlauf dorthin wagen will. Technik und fundamentale Berechnung gehen hier also Hand in Hand, was ein Erreichen des Zieles umso wahrscheinlicher macht.

Apropos Wahrscheinlichkeit: Hundertprozentige Sicherheit gibt es natürlich nie, sondern es kann an der Börse immer nur darum gehen, Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen. Überwiegen die Chancen, investiert man, überwiegen die Risiken, lässt man es bleiben. Deshalb sage ich auch von vornherein klipp und klar, wann sich das jüngste Kaufsignal in ein Fehlsignal verwandeln würde - auch wenn ich damit im Moment nicht rechne: Dann nämlich, wenn der Dax wieder deutlich unter 6.300 Punkte fallen sollte. Man sollte diese Marke einfach im Auge behalten, um zu wissen, wann man im Notfall die Reißleine zu ziehen hat.

Ungefährlich, ja sogar wünschenswert wäre es dagegen, wenn es noch einmal einen Rückschlag auf das Ausbruchsniveau zwischen 6.300 und 6.400 Punkten gäbe – unter Umständen auch erst nach Erreichen des Zwischenzieles von 7.000. Wenn es so käme und der Dax danach wieder nach oben abdrehen würde, wäre das sogar eine lehrbuchmäßige Bestätigung des jüngsten Ausbruchs.

Auf die Frage "hopp oder top?" gibt es für mich zurzeit also nur eine Antwort: Top, Dax, die Wette gilt!

Ihr Raimund Brichta.

 
 

Raimund Brichta
Fauler Zauber
Die EU-Kommission nimmt ungedeckte Leerverkäufe streng ins Visier. Da fühlt sich Telebörse-Moderator Raimund Brichta unwillkürlich an "Räuber Hotzenplotz" erinnert. Denn schon der Kasperl wusste: "Die ganze Verboterei nützt nichts!"

Raimund Brichta

Eintritt streng verboten! Eintritt strengstens verboten! Eintritt allerstrengstens verboten! Mit diesen Warnschildern will der große und böse Zauberer Petrosilius Zwackelmann verhindern, dass ihm jemand auf die Schliche kommt und seine Gefangene, eine verzauberte Fee, entdeckt. Der forsche Kasperl lässt sich von den Warnungen allerdings überhaupt nicht beeindrucken. "Schlipperdibix!" sagt er, "die ganze Verboterei nützt doch nichts. Ich muss da hinein." Und er geht hinein, um die Fee zu befreien.

Genauso wie dem Helden im Räuber Hotzenplotz scheint es den Akteuren an den Finanzmärkten zu gehen, die gerade dabei sind, einem Zaubertrick auf die Schliche zu kommen, den auch der große Petrosilius beherrscht: aus Dreck Geld zu machen. In den Regierungen fast aller Länder dieser Welt sitzen nämlich Zwackelmänner, die Geld produzieren, indem sie Schulden machen. Und weil das so einfach geht, machen sie immer mehr davon, so dass der Berg an Dreck, pardon, an Schulden, immer größer wird. Allerdings funktioniert der Zauber nur, solange es Kreditgeber gibt, die der jeweiligen Regierung vertrauen und ihr immer neue Kredite geben. Was ist aber, wenn diese Leute herausfinden, dass das Spiel nicht ewig dauern kann?

Auch der große Petrosilius weiß, dass nur ein Dummkopf ihm auf Dauer nicht auf die Schliche kommen kann. Umso erfreuter ist er, als der Räuber Hotzenplotz ihm den vermeintlich blöden Gehilfen Seppel anbietet. Dummerweise entpuppt sich dieser später jedoch als schlauer Kasperl im Seppelhut. Genauso entpuppen sich schon seit Längerem immer mehr Finanzmarktakteure als smarte Gesellen, die das Kasperltheater um die staatliche Schuldenmacherei längst durchschauen und deshalb auf einen bösen Ausgang spekulieren.

Aber damit ist das Theatererst richtig losgegangen, denn die Schlauen waren auch noch ausgesprochen ausgekocht. Sie griffen – schlipperdibix – tief in die Trickkiste. So wie das Kasperl im Übrigen auch tut, der den Hotzenplotz ja gerne hereinlegt. Zum Beispiel, indem er ihm weismacht, er habe eine gefährliche Knallpilzsuppe gegessen. Die Knallpilze, die heutzutage die smarten Finanzjongleure zubereiten, heißen nackte Leerverkäufe oder ungedeckte Kreditausfallversicherungen. Das sind Geschäfte, deren Ähnlichkeit zu den Knallpilzen, die es gar nicht gibt, frappierend ist: Im ersten Fall wird eine Staatsanleihe verkauft, die man gar nicht hat, und im zweiten Fall wird eine Ausfallversicherung für eine Staatsanleihe gekauft, die man ebenfalls nicht hat. In beiden Fällen winken satte Gewinne, wenn die Angst vor einer Pleite des betreffenden Staates zunimmt. 

„Das sind unfaire Tricks“, wettern deshalb schon seit einiger Zeit viele Zwackelmänner aus der Politik, die sich hereingelegt fühlen. Nun wollen sie solche Geschäfte - zumindest zeitweise - europaweit streng verbieten lasssen! Die Tauglichkeit dieser Verbote wird indessen dieselbe sein wie die der Warnschilder in Zwackelmanns Zauberschloss. Denn wie sagt Kasperl so schön: "Die ganze Verboterei nützt nichts!" Wer auf eine Staatspleite wetten will, findet an den Finanzmärkten auch weiterhin genügend Möglichkeiten, dies zu tun. Wollte man es wirklich verhindern, müsste man schon die Finanzmärkte selbst verbieten, strengstens versteht sich! Oder noch besser: Man verbietet gleich allerstrengstens den Staatsbankrott, meint

Ihr Raimund Brichta.


 

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