"Zehn Zukunftstrends – zehn Zukunftsfragen"
Die Welt wird immer schneller und wir haben das Gefühl, ihre Entwicklung nicht mehr mit den bekannten Mitteln und Methoden beeinflussen zu können. Viele Prognosen der Zukunftsforschung sind nicht eingetreten. Deshalb muß auch das Nachdenken über die Zukunft neuen Fragestellungen nachgehen. Im Folgenden sollen nicht nur zehn Zukunftstrends vorgestellt, sondern auch zehn Zukunftsfragen gestellt werden.
Das Vortragskonzept ist so aufgebaut, dass die zehn Trends zusammen dargestellt werden können. Es ist aber auch möglich, einen der Trends als alleiniges Vortragsthema zu wählen oder eine Kombination mehrerer Punkte.
1. Die Zukunft findet heute statt!
An früheren Zukunftserwartungen kann man erkennen, dass die Zukunft stets mit den Mitteln gebildet wird, die einer konkreten Gegenwart zur Verfügung stehen. Deshalb stimmten Zukunftstrends fast nie. Wer das aber weiß, wird anders mit der Zukunft umgehen. Aber er muss es jetzt tun, nicht in der Zukunft.
FRAGE: Was bedeutet das für das Nachdenken über die Zukunft?
2. Eliten müssen Übersetzer werden!
Klassische Eliten sind Experten und Könner in ihrem jeweiligen Gebiet – als wirtschaftliche, politische, wissenschaftliche oder künstlerische Eliten. Neue Eliten müssen in der Lage sein, zwischen solchen Logiken vermitteln zu lernen. Und sie müssen lernen, zwischen kulturellen Selbstverständlichkeiten zu vermitteln.
FRAGE: Was müssen Eliten tun, um dies zu erreichen?
3. Die Demokratie steht unter Druck!
Die Demokratie als europäisches Erfolgsmodell steht unter Druck, da die einfache Regel „wirtschaftliche Prosperität erzeugt demokratische Entscheidungsformen“ nicht mehr gilt.
FRAGE: Was tritt an deren Stelle, oder besser: wie ist Demokratie unter neuen Bedingungen möglich?
4. Die Echtzeitmedien des Web 2.0/3.0 sind eine Revolution!
Die Nutzung des Download-/Upload-Internets und seine mobile Nutzung sind ähnlich revolutionär wie die Erfindung des Buchdrucks, weil diese neuen Medien nicht nur Datenströme verändern, sondern auch die Identität ihrer Nutzer. Vor allem für die jüngere Generation ist die Unterscheidung virtueller und realer Welten nicht mehr zutreffend – das gilt fürs Business ebenso wie für Freizeitverhalten und nicht zuletzt für Kultur.
FRAGE: Welche Folgen und Möglichkeiten stecken in dieser technischen Entwick-lung?
5. Die Energiefrage wird zur Friedensfrage des 21. Jahrhunderts!
Mit dem absehbaren Ende des Zeitalters fossiler Energien und mit der Erschütterung der Nukleartechnologie wird die Suche nach Energielösungen für das 21. Jahrhunderts zur Schlüsselfrage künftiger wirtschaftlicher und politischer Entwicklungen. Es wird sich zeigen: Es geht nicht nur um technische Lösungen, sondern auch um intelligente politische und wirtschaftliche Umsetzung.
FRAGE: Wie wird dieses Problem gelöst, und wer wird neue Konzepte entwickeln?
6. Der Klimawandel ist eine Parabel auf die Komplexität der Gesellschaft!
Dass „die Gesellschaft“ etwas gegen den Klimawandel tun muss, ist fraglos. Nur reagiert „die Gesellschaft“ niemals einheitlich, sondern stets aus unterschiedlichen Perspektiven: aus ökonomischer, aus politischer, aus medialer, aus Verbraucher- oder aus wissenschaftlicher Perspektive. An diesem Weltproblem lässt sich erkennen, wie wenig unsere komplexe Gesellschaft steuerbar ist, selbst wenn wir wissen, was getan werden müsste.
FRAGE: Wie können die unterschiedlichen Perspektiven miteinander vermittelt wer-den?
7. Terrorismus wird die entscheidende Sicherheitsherausforderung bleiben!
Moderne Gesellschaften sind sehr fragil und mit einfachen Mitteln an ihren Grundfesten zu erschüttern. Das bietet nahezu unkontrollierbare Möglichkeiten für Terrorismus. Die bisherigen militärischen Strategien dagegen sind offenkundig untauglich und nutzen noch das Arsenal des Krieges des 19. und 20. Jahrhunderts.
FRAGE: Welche Sicherheitsstrategien lassen sich entwickeln, ohne die Liberalität westlicher Gesellschaften zu gefährden?
8. Der globale Vernetzungsgrad ist Problem und Lösung zugleich!
Das Ende des Zeitalters autarker Nationalstaaten lässt sich am deutlichsten an der wirtschaftlichen, aber auch politischen Netzwerkstruktur der Weltgesellschaft be-obachten. Von der Globalisierung profitiert tatsächlich ein Großteil der Menschen, zugleich aber macht der hohe Vernetzungsgrad ökonomische und politische Zusam-menhänge instabil und fehleranfällig – politische Ereignisse und Naturkatastrophen können ganze Ordnungen ins Wanken bringen.
FRAGE: Wie lassen sich moderne komplexe Systeme unanfälliger gegen Fehler ge-stalten?
9. Nationale und kulturelle Identitäten vermischen sich, verschwinden aber nicht!
Die europäische Idee der nationalen Identität war eine Idee von Autarkie und Reinheit. Dieses Modell ist verschwunden, zugleich werden kulturelle Identitäten und Identitätsansprüche durchaus stark vertreten. Die Identität von Menschen wird sich in Zukunft jedenfalls stark an der Vermischung und Verunsicherung regionaler, nationaler und religiöser Identitäten orientieren müssen.
FRAGE: Welche Folgen hat das für unser kulturelles Selbstverständnis und für Bil-dungskonzepte?
10. Planungs- und Steuerungskonzepte werden sich verändern!
„Der Ausnahmezustand als Normalfall. Warum wir Krisen zugleich unter- und überschätzen“
Moderne Gesellschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie in permanenter Dynamik beschleunigt und getrieben sind, letztlich niemals zur Ruhe kommen. Was der Einzelne vielleicht bedauert ist jedoch ein wichtiger Teil der Kreativität und Problemlösungskompetenz, die moderne Gesellschaften auszeichnet. Insofern unterschätzt man eine Krise, wenn man sie für etwas Temporäres hält, das man durch richtiges Handeln lösen könnte; man überschätzt sie aber auch, wenn man „die Krise“ für einen grundlegenden Einschnitt hält, der alles verändert.
"Das Restrisiko und die Organisation von Sicherheit"
Auf den ersten Blick sieht die nukleare Katastrophe in Japan wie eine Naturkatastrophe aus. Mehr als das aber ist sie eine Organisationskrise. Das freilich bleibt ungesehen, weil die Zurechnung auf eine unverfügbare Natur allzu praktisch erscheint. Das Risiko technischer Prozesse wird in der modernen Gesellschaft sozial aufgelöst – durch Zurechnung auf die menschliche Natur des möglichen Versagens und durch die ökonomische Regulierung von Schäden. Dabei wird oft übersehen, dass auch die technischen Prozesse selbst soziale Prozesse sind. Deshalb ist die Sicherheit der Nukleartechnik vor allem ein Organisationsproblem – ein Aspekt, der in der Debatte bisher nicht systematisch verfolgt wird.
Weitere Themen
- Charme des Risikos. Über den Umgang mit Unsicherheit. Über die Potentiale des Nicht-Wissens.
- Paradoxien der Zukunft - Entwicklung zur Wissensgesellschaft
- „Wollt, was Ihr sollt!“
- Paradoxien des Führens - neue Anforderungen an Führungskräfte
- Kulturelle Identität in Zeiten der Globalisierung
- Individualismus und Gemeinwohl
- Die Marke als Versprechen und Gedächtnis des Marktes
- Werte in Unternehmen – Werte als Strategie
- Ethik in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft
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