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Prof. Dr. Horst Opaschowski


Prof. Dr. Horst Opaschowski

Wohin geht die Reise? Was kommt auf uns zu? Wohlstandsverlust oder Leistungssteigerung, Konsumverzicht oder neue Lebenslust? Wie werden wir in Zukunft leben? Die Wohlstands- und Wohlfahrtsbedingungen ändern sich grundlegend. Der Anspruchsstaat ist nicht länger bezahlbar.
In Zukunft

·       gibt es weniger Erwerbsfähige,
·       weniger Beitragszahler, die einen Rentner finanzieren,
·       sinkt das Rentenniveau,
·       altert die Gesellschaft und
·       schrumpft die Bevölkerung.

Ökonomisch gesehen wird es den Menschen nicht mehr so gut gehen wie heute. Die Menschen spüren dies. Zugespitzt in der Erkenntnis: Die fetten Jahre sind vorbei - das Schlaraffenland ist abgebrannt. Was folgt daraus für die Entwicklung der nächsten Jahre? Welche Zukunftstrends zeichnen sich bereits heute ab?

Zukunftstrend 1: Die Globalisierung der Arbeitswelt

Globalisierung wird zum Synonym für Weltwirtschaft und gilt als Bezeichnung für weltweite Märkte, Produkte und Dienstleistungen. Globalisierung bedeutet aber auch Verteilung der Arbeit rund um den Globus, also Arbeitsplatz-Export, ja Arbeitsplatz-Abbau. Und für die übrigen verbleibenden Vollzeitbeschäftigten gilt: Ihre Arbeit wird immer intensiver und konzentrierter, zeitlich länger und psychisch belastender, dafür aber auch - aus der Sicht der Unternehmen - immer produktiver und effektiver. Die neue Arbeitsformel für die Zukunft lautet: 0,5 x 2 x 3, d.h. die Hälfte der Mitarbeiter verdient dann doppelt so viel und muss dafür dreimal so viel leisten wie früher.

Zukunftstrend 2: Die Dominanz der Dienstleistung

Vom Industriezeitalter heißt es endgültig Abschied zu nehmen. Es zeichnen sich jedoch Zukunftschancen für eine neue Dienstleistungsgesellschaft ab: In der Dienstleistungsgesellschaft findet eine Verlagerung vom Warenexport zum Wissensexport statt. Das Kapital besteht hauptsächlich aus F- und E-Kompetenzen (Forschung und Entwicklung). Die Dienstleistungsgesellschaft erschließt auch neue Märkte und Arbeitsfelder. Immer mehr Industrieunternehmen wandeln sich zu Dienstleistungsunternehmen. Europa leidet aber bisher unter einer Art Dienstleistungsverspätung: In der Entwicklung einer Dienstleistungskultur stehen wir erst am Anfang. Amerikaner sind nicht von Natur aus bessere Dienstleister, sie sind nur sehr viel früher und länger gezwungen gewesen, sich auf Dienstleistungen umzustellen.

Zukunftstrend 3: Die Lust an der Leistung

Die befürchtete Leistungsverweigerung fand und findet nicht statt. Im Zeitvergleich der letzten Jahre ist beispielsweise erkennbar, dass Leistung und Lebensgenuss immer gleichgewichtiger beurteilt werden. Leistung und Lust wachsen zusammen: Kein Lebensgenuss ohne Leistung. Umgekehrt gilt aber auch: Lebensgenuss lenkt nicht mehr automatisch von Leistung ab. Der Lebenssinn muss im 21. Jahrhundert neu definiert werden: Leben ist die Lust zu schaffen! Schaffensfreude (und nicht nur bezahlte Arbeitsfreude) umschreibt das künftige Leistungsoptimum von Menschen, die in ihrem Leben weder überfordert noch unterfordert werden wollen.

Zukunftstrend 4: Die Mediatisierung des Lebens

Die Medientechnologien ändern sich schneller als die Mediengewohnheiten der Menschen. Auch in Zukunft fährt die Masse der Konsumenten ‚voll auf das TV-Programm ab’. Und die Prognose der Medienbranche „Web frisst Fernsehen“ erfüllt sich nicht. Das Fernsehen bleibt das wichtigste Leitmedium im Alltagsverhalten der Menschen. Die Informationsgesellschaft bleibt eine Vision. Auch in Zukunft werden die meisten Bürger lieber konsumieren als sich informieren. Das Internet wird das private Leben nicht revolutionieren, sondern nur ein wenig optimieren helfen. Die Zukunft gehört dem Kommunikationszeitalter. E-Communication bekommt eine größere Bedeutung als E-Commerce.

Zukunftstrend 5: Die Kinderlosigkeit

Heute ist jede Kindergeneration zahlenmäßig um ein Drittel kleiner als die Elterngeneration. Frauen mit akademischem Abschluss bleiben zu mehr als vierzig Prozent kinderlos. Und in den Großstädten und Ballungszentren steigt der Anteil kinderloser Vierzigjähriger auf teilweise bis zu fünfzig Prozent. Die demographische Spaltung der Gesellschaft droht.

Zukunftstrend 6: Die Zuwanderung

Nach einer Vorausberechnung der Vereinten Nationen wird der Anteil der zugewanderten Bevölkerung einschließlich der bereits hier lebenden Ausländer bis zum Jahr 2050 rund ein Drittel im Bundesdurchschnitt und in den Großstädten über 50 Prozent erreichen – und trotzdem wird die Bevölkerungszahl zurückgehen.

Zukunftstrend 7: Die Überalterung

Die Bevölkerung altert dramatisch. Die Lebenserwartung steigt weiter an. Bis zum Jahre 2040 wird sich der Anteil der über 60-jährigen Bevölkerung verdoppeln. Die Überalterung ist vorprogrammiert: Österreich und Deutschland werden grau und zählen zu den Ländern in der westlichen Welt mit niedrigen Geburtenraten und hohen Altenanteilen.

Zukunftstrend 8: Die Gesundheitsorientierung

Die Gesundheit wird zum Megamarkt der Zukunft. In der immer älter werdenden Gesellschaft boomen dann Bio- und Gentechnologien, Pharmaforschung und Forschungsindustrien gegen Krebs, Alzheimer und Demenz sowie gesundheitsnahe Branchen, die Care und Wellness, Vitalität und Revitalisierung anbieten. Die Gesundheit bekommt in Zukunft Religionscharakter und das Gesundheitswesen nimmt die Form einer Kirche an. Es dominiert ein gesundheitsorientiertes Lebenskonzept, bei dem das Wohlfühlen in der eigenen Haut zum wichtigsten Bestimmungsmerkmal für Lebensqualität wird. Aus Fitness wird Wellness. In der gesamten westlichen Welt ist ein Wandel zur Wohlfühlgesellschaft feststellbar.

Zukunftstrend 9: Die Rückkehr der Verantwortung

Ein Wandel vom bowling alone zum bowling together findet statt: Eine Wiederentdeckung des Gemeinsinns im Sinne von mehr Gemeinsamkeit und weniger Egoismus. Es kündigt sich der radikalste Wertewandel seit dreißig Jahren an: Die Rückkehr der Verantwortung als Antwort auf Verunsicherungen und Vertrauensverluste. Verantwortungsbereitschaft hat wieder eine größere Bedeutung als Durchsetzungsvermögen. Verantwortung wird zum Schlüsselbegriff für die Zukunft: Gemeint ist die Verantwortung für einander, die Verantwortung für die Umwelt und die Verantwortung für das Wohl der kommenden Generationen.

Zukunftstrend 10: Die Sinnsuche

Die Welt nach dem 11. September hat die Menschen verändert. Die Suche nach Sinn, Halt und Heimat verstärkt sich. Im Zeitvergleich ist feststellbar, dass sich die Menschen wieder mehr für eine bessere Gesellschaft interessieren und auch mithelfen wollen, eine bessere Gesellschaft zu schaffen. Die Menschen suchen eine Sinnorientierung, die Beständigkeit und Wesentliches in das Leben bringt. Religiosität als Lebensgefühl kehrt in den Alltag zurück.

Die Bürger entdecken langsam die Familie wieder. Hat eine lange Phase der Kinderlosigkeit bald ihren Zenit erreicht oder überschritten? Zählt Familienorientierung wieder mehr als Wohlstandssteigerung? Eine Renaissance der Familie ist in naher Zukunft möglich: Die Familie wird dann zum Wohlfahrtsverband. Mögen die Kosten für Gesundheit und Alter in Zukunft noch so sehr explodieren: die Familie bleibt billig und barmherzig. In großem Umfang fließen Ströme an Geld, Sachmitteln und persönlichen Hilfen von den Älteren zu den Jüngeren. Die Alten sparen – für die Jungen. Der Generationenkrieg findet nicht statt.

Wer persönliches Wohlbefinden (und nicht nur materiellen Wohlstand) erreichen will, sollte – neben den christlichen Geboten natürlich – die folgenden 10 Anleitungen und Gebote für ein gelingendes Leben im 21. Jahrhundert beherzigen:

1.          Bleib nicht dauernd dran; schalt doch mal ab.

2.          Jag nicht ständig schnelllebigen Trends hinterher.

3.          Kauf nur das, was du wirklich willst, und mach dein persönliches Wohlergehen zum wichtigsten Kaufkriterium.

4.          Versuche nicht, permanent deinen Lebensstandard zu verbessern oder ihn gar mit Lebensqualität zu verwechseln.

5.          Entdecke die Hängematte wieder. Lerne wieder, ‚eine Sache zu einer Zeit‘ zu tun.

6.          Genieße nach Maß, damit du länger genießen kannst.

7.          Mach nicht alle deine Träume wahr; heb' dir noch unerfüllte Wünsche auf.

8.          Du allein kannst es – aber du kannst es nicht allein: Hilf anderen, damit auch dir geholfen wird.

9.          Tu nichts auf Kosten anderer oder zu Lasten nachwachsender Generationen: Sorge nachhaltig dafür, dass das Leben kommender Generationen lebenswert bleibt.

10.      Verdien dir deine Lebensqualität - durch Arbeit oder gute Werke: Es gibt nichts Gutes; es sei denn, man tut es.

Stadtplanung und Wohnungsbau stehen im 21. Jahrhundert vor neuen Herausforderungen. Es zeichnen sich eine Reihe von Perspektiven ab, die unser Leben in der Stadt der Zukunft grundlegend verändern werden:

These 1

Die Zukunft ist urban: Städte schrumpfen und wachsen zugleich

Weltweit zieht es immer mehr Menschen in die Stadt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Städten. 2030 werden wir eine urbane Weltbevölkerung von etwa sechzig Prozent haben, was einer Verdoppelung seit den fünfziger Jahren entspricht. Und in gut dreißig Jahren werden gar drei Viertel der Weltbevölkerung Städter sein. Die Weltbevölkerung wandert und wächst, Deutschlands Bevölkerung hingegen altert und schrumpft. Jahr für Jahr verliert das Land drei- bis vierhunderttausend junge Menschen. Auf die Städte in Deutschland kommt eine schwierige Gratwanderung zwischen Schrumpfung und Wachstum zu. Manche Regionen müssen mit massiven Bevölkerungsrückgängen rechnen, andere entwickeln sich zu regelrechten Wachstumsregionen: Aus städtepolitischer Sicht gleicht die Entwicklung mehr dem Bild einer bipolaren Stadt.

These 2

Die Menschen wandern zum Wohlstand:

Pendler kehren in die Stadt zurück

Erfahrungsgemäß zieht es die Menschen dorthin, wo es Arbeit gibt. Die „besten Köpfe“, also junge und gut ausgebildete Menschen, lösen starke Binnenwanderungen aus und verschärfen die Ungleichgewichte zwischen den Regionen. Viele Bürger haben in den letzten Jahren die Stadt als Pendler verlassen – und kehren als Stadtbewohner wieder zurück. In den Zukunftsvorstellungen der Bevölkerung kommen Lebensqualitätswünsche zum Ausdruck, die mit den Attributen „zentral“/„nah“/„kurz“ auf eine Abkehr von der Pendlergesellschaft hinweisen. Wer es sich leisten kann, wohnt citynah - und spart Zeit. So gesehen wird die innerstädtische Wohnlage wieder attraktiver. Die Nahversorgung wandert in die Städte, während Millionen Menschen in den ländlichen Regionen keine Post und keine Bank mehr in ihrer Nähe haben.

These 3

Immer mehr Singles und Senioren wollen in zentraler Lage wohnen

Der wachsende Wohnwunsch „Bezahlbare Wohnung in zentraler Lage“ gleicht einer Quadratur des Kreises. Denn Citywohnen stößt erfahrungsgemäß schnell an die Grenze der Finanzierbarkeit. Single- und Seniorenhaushalte breiten sich in den Städten aus. Selbst an den Stadträndern werden Einfamilienhäuser zu Einpersonenhäusern. Zugleich wandeln sich die Wohnwünsche: Die Wohnflächen wachsen weiter, d.h. die Haushalte werden kleiner, aber die Wohnfläche pro Person größer. Dabei steigt vor allem der Anteil der kleinen Ein- und Zweipersonenhaushalte auf über 75 Prozent. Gleichzeitig sinkt die Nachfrage nach Eigenheimen erheblich, weil es immer weniger junge Familien gibt. Die Wohneigentumsbildung verlagert sich auf den Geschosswohnungsbau in den Städten und im städtischen Umland.

These 4

Das Eigentumsdenken verändert sich: Städter mieten Lebensstile

Die Zeitfenster für Immobilienverkäufe werden enger und die Chancen für einen Rückgang der Leerstandsraten immer geringer. Auf den Punkt gebracht: Sinkende Geburtenraten = fallende Immobilienpreise. Der kinderlose Städter der Zukunft verkauft sein Einfamilienhaus und zieht als Mieter in ein Haus mit Balkon oder Dachterrasse. Weil sich das Eigentumsdenken verändert, wird das Wohnerleben neu definiert: Wohnen wie im eigenen Haus – aber sich nicht wie ein Eigentümer um alles kümmern müssen. Im Unterschied zu den traditionellen Mietern, die sich zwar ein eigenes Haus wünschen, es sich aber nicht leisten können, breitet sich eine nach oben mobile Gruppe aus, die Miete statt Eigentum wählt. Die Menschen mieten und kaufen Lebensstile und nicht nur Wohnhäuser. Wer neue Gleichgesinnte sucht, wählt eine Interessen-Wohnanlage auf Zeit. Hier werden Lebensstile in Beton gegossen.

Berliner Verhältnisse kommen auf uns zu: Berlin hat einen Mietwohnungsanteil von fast 90 Prozent. Deutschland wird zum Mieterland – mit einem derzeitigen Mietwohnungsanteil von 57 Prozent (England und die USA jeweils nur 31 Prozent). Mietwohnungen werden immer attraktiver. Mieter können sich schließlich mehr leisten im Leben, während Wohneigentümer oft hoch belastet über viele Jahre sparsam leben müssen. Eine Eigentumswohnung ist so „teuer“ wie zwei Kinder. Beide machen knapp ein Drittel des Nettoeinkommens aus.

These 5

Soziale Polarisierung: Städtische Unterschichten sorgen für Konflikte

In Zukunft wird die Kluft zwischen Arm und Reich weiter zunehmen und damit auch die Polarisierungstendenz. Gering Qualifizierte bleiben weitgehend arbeits- und chancenlos mit einer hierarchisierten Spirale nach unten. Erst kommen die Deutschen, dann die EU-Bürger, danach die Spätaussiedler und ganz zuletzt die Migranten aus anderen Kulturen. Die soziale Polarisierung in den Städten verstärkt sich, weil sich dort Arme und Alte, Arbeitslose und Ausländer konzentrieren.

Für die Zukunft ist zu befürchten, dass sich Parallelwelten bilden. Damit sind vor allem Ausländer gemeint, die schon im Land leben, aber mit den geltenden Regeln weniger zu tun haben wollen. Ein Großteil der künftigen Integrationsprobleme werden im Kern Generationskonflikte sein: Alte Einheimische – junge Zuwanderer. Als neuer Standortfaktor kommt in Zukunft die örtliche Toleranz für ethnische Minderheiten hinzu. Die soziale Integrationsfrage wird zu einer politischen Machtfrage in den Städten.

These 6

Wohnungsunternehmen werden zu sozialen Dienstleistern

Im Jahr 2030 wird die Mehrheit der über 60-Jährigen nicht verheiratet, sondern ledig, verwitwet oder geschieden sein. Die meisten leben in Ein-Personen-Haushalten und sind dann, wenn sie kinder- und enkellos bleiben, auf den Auf- und Ausbau einer professionellen Infrastruktur von Hilfe- und Pflegeleistungen angewiesen. Immobilienbranche und Wohnungsunternehmen bieten in Zukunft auch ein soziales Management an, das vor allem soziale Dienste für die wachsende Zahl alter, hochaltriger und langlebiger Menschen leistet. Das soziale Wohnungsmanagement wird wie ein sozialer Kitt wirken, wozu Altenbetreuung, Mietschuldenberatung, Beschäftigungsprojekte, Nachbarschaftshilfsvereine, Tauschringe u.a. gehören. Soziales Wohnungsmanagement kann auch in ökonomischer Hinsicht erfolgreich sein. Wirtschaftlichkeit durch Sozialverträglichkeit.

These 7

Nachbarschaftshilfen werden immer bedeutsamer

Ein Comeback der guten Nachbarn steht bevor. Je mehr Nachbarn sich mit Vornamen kennen, desto sicherer ist die Wohngegend. Sicherheit und soziales Klima  hängen entscheidend von der Vertrautheit unter den Nachbarn ab. Institutionelle Hilfeleistungen durch Behörden, Vereine und Verbände haben im Alltagsleben der Bevölkerung eine viel geringere Bedeutung als die spontane Hilfsbereitschaft in den eigenen vier Wänden, vor der Haustür oder um die Ecke. Die Bürger haben ganz konkrete Vorstellungen, in welchen Bereichen sie sich engagieren wollen. Im einzelnen sind dies: Betreuung von alten Menschen und von Kinderspielplätzen, sozialer Fahrdienst, z.B. Essen auf Rädern, Lotsendienst durch Begleitung von Patienten zu Therapien sowie Telefondienst für Tagesmüttervereine.

These 8

Generationen unter einem Dach: Wohnen mit Wahlfamilien

Neue Wohnkonzepte geben in Zukunft konkrete Antworten auf die Folgen einer Gesellschaft des langen Lebens. Dabei geht es auch um Alternativen zu den traditionellen Pflegeheimen. Gefragt sind in Zukunft vor allem generationsübergreifende Wohnkonzepte: Wie im Dorf und doch in der Stadt. Ganze Großfamilien - Enkel, Kinder, Eltern, Großeltern – leben so in unmittelbar räumlicher Nähe zusammen. Generationenwohnen in Baugemeinschaften und Wohngenossenschaften ist im Trend. Im 21. Jahrhundert entstehen durch eine Art Adoption neue Wahlfamilien: Enkel-, Kinder- und Familienlose werden wie durch Adoption in Wahlfamilien und -verwandtschaften aufgenommen. Gleichzeitig wird der Familienbegriff um den Gedanken des ‚ganzen Hauses’ erweitert. Im ‚ganzen Haus’ haben in Zukunft wieder alle Platz. Gemeinsam statt einsam heißt das Wohnkonzept der Zukunft: Mehr Generationenhaus und Baugemeinschaft als Heimplatz und betreutes Wohnen.

These 9

Altwerden mit Familie und Freunden statt Einweisung ins Heim

Mit jedem Wandel einer Lebensphase ändern sich die Wohnstile. Mit der Zunahme der Lebenserwartung muss jede(r) viele und vielfältige Lebensphasen (und damit Wohnformen) durchlaufen. Idealiter müsste mit jeder neuen Lebensphase das Haus bzw. die Wohnung neu eingerichtet oder gar umgebaut werden. Lebensgemeinschaft wird neu definiert: „Soziale Konvois“ (Freunde/Nachbarn) werden als lebenslange Begleiter immer wichtiger. In Zukunft ist eher bescheideneres Wohnen mit sozialer Lebensqualität als komfortableres Wohnen mit räumlicher Isolation gefragt. Und es heißt auch: Mehr Selbstständigkeit und soziale Geborgenheit. Wohnen wird wieder Heimat mit Nestwärme. Schafft die Altersheime ab! oder So wenig Heime wie möglich – das ist auch für Deutschland eine realistische und keine utopische Zukunftsforderung.

These 10

Lebenswerte Städte und Regionen als Leitbilder der Zukunft

In der  subjektiven Einschätzung der jeweiligen Stadtbewohner ist – im Vergleich der zehn größten Städte Deutschlands –

·       München die gastfreundlichste Stadt,

·       Berlin die kulturreichste Stadt,

·       Hamburg die schönste Stadt,

·       Köln die toleranteste Stadt,

·       Stuttgart die wohlhabendste Stadt und

·       Bremen die weltoffenste Stadt.

Daneben aber gibt es eine Ranking-Liste der beliebtesten Regionen, die von Oberbayern, Bodensee und Schwarzwald angeführt wird, bevor Nordseeküste, Rheinland, Allgäu, Ostfriesland, Münsterland, Franken und Ostseeküste folgen. Der Wohnwert einer Stadt oder Region wird zur Zukunftsfrage: Aus den Wohnwünschen von heute können Wanderungen von morgen werden. Zugleich decken die Bewohner schonungslos die sozialen Defizite des Stadtlebens auf: Für Kinder-, Familien- und Seniorenfreundlichkeit finden sich in der Bevölkerung keine Mehrheiten mehr. Dies sind offensichtlich die größten Herausforderungen für das Leben in der Stadt der Zukunft.

Im 21. Jahrhundert müssen Politik und Planung von folgenden zehn Prioritäten ausgehen:

1.     Mehr Lebensqualitätsverbesserung als Lebensstandardsteigerung

2.     Mehr Wohnflächenwachstum als Bevölkerungswachstum

3.     Mehr Innenstadtförderung als Bauen auf der grünen Wiese

4.     Mehr Hausgemeinschaften als Wohngemeinschaften

5.     Mehr Lebenskonzepte als Bauprojekte

6.     Mehr Lebensstilmiete als Wohnungskauf

7.     Mehr Nachbarschaftshilfe als Sozialamtshilfe

8.     Mehr Servicewohnen als betreutes Wohnen

9.     Mehr ambulante Dienste als stationäre Pflege

10.  Mehr Wohnen daheim als Einweisung ins Heim.


 

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